Der zukünftige Solarstrommarkt

Marktwachstum prognostiziert. Obwohl der Strukturwandel des Solarmarkts noch nicht abgeschlossen ist, dürften sich die Rahmenbedingungen in den kommenden beiden Geschäftsjahren wieder verbessern. Analysten der Bank Sarasin erwarten, dass die Neuinstallationen im internationalen Solarmarkt um 46 Prozent auf 8,4 (2009: 5,8) GW wachsen. 2011 soll sich der Markt mit einer erwarteten neuen Solarstromleistung von 12,7 GW weiter vergrößern. Die European Photovoltaic Industry Association (EPIA) prognostiziert für 2010 neue Installationen in Höhe von 6,0 bis 10,8 GW. Für das Jahr 2011 liegt der vorausgesagte Wachstumskorridor zwischen 7,5 und 17,4 GW.

Angebot steigt weiter. Der zunehmende Wettbewerb am Siliziummarkt und die Ausweitung der Produktionskapazitäten auf 68.000 (2009: 67.000) Tonnen im Jahr 2010 sowie auf 98.000 Tonnen im Folgejahr dürften zu einem weiteren Rückgang des Siliziumpreises führen. Die Bank Sarasin prognostiziert für 2010 eine Senkung des Durchschnittspreises auf 45 (2009: 55) US-Dollar/kg und für 2011 auf 40 US-Dollar/kg. Dies wird Herstellern kristalliner Solarstromtechnologie – wie der SolarWorld – helfen, ihre Produktionskosten weiter zu reduzieren, so dass sie eventuelle Preissenkungen im Modulbereich besser kompensieren können.

Zusätzliche Kostensenkungspozenziale können Solarhersteller mit Effizienzsteigerungen in der Wafer- und Zellproduktion erschließen. Der durchschnittliche Siliziumbedarf soll dadurch im Jahr 2010 bereits um fünf Prozent auf 7,8 (2009: 8,2) g/Wp reduziert werden und bis zum Jahr 2011 auf 7,6 g/Wp sinken.

In den kommenden beiden Jahren werden die weltweiten Produktionskapazitäten für Wafer, Zellen und Module weiter steigen. Vor allem asiatische Wettbewerber haben ambitionierte Erweiterungspläne angekündigt. Die Bank Sarasin prognostiziert daher für das Jahr 2010 ein Wachstum der kristallinen Zellproduktion um 53 Prozent auf 12,5 (2009: 8,1) GW; 2011 dürfte die Zellproduktion laut Prognose um weitere 21 Prozent auf 15,2 GW steigen. Auch Hersteller alternativer Solartechnologien wie die Dünnschicht werden ihre Produktionskapazitäten erweitern, obwohl durch das schwierigere Finanzierungsumfeld viele Forschungsprojekte in diesem Bereich die Marktreife wahrscheinlich nicht erreichen werden. Zudem werden sich durch die sinkenden kristallinen Zell- und Modulpreise eventuelle Kostenvorteile dieser Hersteller verringern. Marktreifere Technologien wie die Modulherstellung aus Cadmium-Tellurid dürften dagegen Marktanteile gewinnen. Allerdings könnte diese Technologie, in der hochgiftige Substanzen zum Einsatz kommen, von zukünftigen Regulierungsmaßnahmen betroffen sein. Bereits heute wird der Einsatz von Cadmium durch die Chemikalien-Verbotsverordnung der EU kontrolliert und eingeschränkt.

Das Angebotswachstum wird die Preise voraussichtlich weiter senken, ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Netzparität. Ist diese erreicht, eröffnen sich für die Solarindustrie vollkommen neue Märkte, unabhängig von Förderprogrammen. Langfristig dürfte die Industrie deswegen von den fallenden Preisen profitieren. Die Konsolidierungstendenzen am Markt geben etablierten Unternehmen wie der SolarWorld die Möglichkeit, weitere Marktanteile zu gewinnen und ihre Position als Qualitätsanbieter zu stärken.

EEG angepasst. Trotz der geplanten EEG-Novellierung dürfte Deutschland nach Expertenmeinungen auch 2010 der weltweit größte Solarmarkt bleiben. EPIA erwartet eine neu installierte Leistung von bis zu 2,8 (2009: 3,0) GW. Da im Jahr 2009 der im EEG vorgesehene Wachstumskorridor von 1,5 GW überschritten wurde, sind die Einspeisetarife für Solarstrom ab dem 1. Januar 2010 um neun bzw. elf Prozent gesunken, je nach Anlagentyp und -größe.

Aufgrund des starken Marktwachstums 2009 wird zudem über einen weiteren Degressionsschritt für Solarstromanlagen diskutiert. Mit Wirkung zum 1. Juli soll die Vergütung für Dachanlagen einmalig um 16 Prozent sinken. Die für Freiflächenanlagen soll zum 1. Juli 2010 um 15 Prozent gesenkt werden. Die Einspeisevergütung für Großanlagen auf Ackerflächen soll laut aktuellem Diskussionsstand komplett gestrichen werden.

Diese zusätzlichen Degressionsschritte - die deutlich höher ausfallen dürften als zunächst erwartet - stellen die Solarbranche vor große Herausforderungen. Da Deutschland derzeit der weltweit mit Abstand größte Solarmarkt ist, dürfte die Novellierung den Konsolidierungsdruck in der gesamten Solarbranche noch einmal verschärfen.

Um auf lange Sicht dennoch ein Wachstum des deutschen Solarmarkts zu garantieren, sollen auch in der aktuellen EEG-Novelle wieder Wachstumskorridore festgeschrieben werden, die eine Anpassung der Tarife an das Marktgeschehen ermöglichen. Danach soll die Basisdegression in Höhe von neun Prozent bei einem Jahreswachstum zwischen 2.500 und 3.500 MW in Kraft treten. Liegt die Neuinstallation oberhalb dieses Korridors, so erhöht sich die Degression in 1.000-MW-Schritten wie folgt: in 2011 um zwei Prozentpunkte und in den Folgejahren um jeweils drei Prozentpunkte. Unterschreitet das Marktwachstum dagegen die 2.500-MW-Grenze, so verringert sich die Basisdegression in 500-MW-Schritten um jeweils 2,5 Prozentpunkte.

Die Vergütung für selbst genutzten Solarstrom soll durch die EEG-Novelle attraktiver gestaltet werden. Die bisherige Begrenzung des Direktverbrauchs auf bis zu 30 kW soll auf 800 kW erhöht werden. Dadurch können die Stromnetze entlastet und der Stromverbrauch ausbalanciert werden. Dank dieser Regelung wird der deutsche Solarmarkt vor allem im privaten Dachanlagenbereich weiterhin attraktiv bleiben. EuPD Research erwartet, dass bis zum Jahr 2012 der Anteil von Dachanlagen auf privaten und nicht-privaten Gebäuden rund 91 Prozent des gesamten deutschen Solarmarkts ausmachen wird (2009: 86 Prozent). Im Gegensatz dazu soll der Anteil von Freiflächenanlagen auf neun Prozent sinken (2009: 14 Prozent).

Förderprogramme greifen. Für die USA erwarten die Analysten, dass die Nachfrage im Jahr 2010 stärker wachsen wird. Wichtiger Treiber für diese Entwicklung soll das im Laufe des 3. Quartals 2009 erlassene staatenweite Förderprogramm („cash grant programm“) sein, dass es Solarkunden ermöglicht, 30 Prozent ihrer Kosten für die Installation einer Solaranlage in Form einer Subvention wieder zurückerstattet zu bekommen. Marktexperten rechnen damit, dass der US-Solarmarkt im Jahr 2010 die 1.000-MW-Grenze an neu installierter Leistung durchbrechen wird. Barclays Capital prognostiziert eine Neuleistung von 1.076 (2009: 468) MW; für 2011 geht man sogar von einer neu installierten Leistung von 2.945 MW aus. Anders als in Deutschland wird in den USA vor allem ein starkes Wachstum für den Freiflächenmarkt prognostiziert. Grund dafür ist, dass viele US-Energieversorger durch die Einführung von Mindestpflichtanteilen für erneuerbare Energien im Strommix, daran interessiert sind, ihren Solarstromanteil zu erhöhen. Da auch diese Unternehmen von den Steuernachlässen in Höhe von 30 Prozent bzw. dem Subventionsprogramm profitieren können, ist für sie der Bau von Großanlagen besonders attraktiv.

Europäische Märkte wachsen. Auch für die anderen europäischen Märkte wird ab 2010 eine positive Entwicklung erwartet. Vor allem Italien soll nach Expertenmeinungen in den kommenden beiden Jahren eine dynamische Entwicklung vorweisen. 2010 dürfte eine neu installierte Solarleistung in Höhe von 924 (2009: 374) MW erreicht werden. 2011 soll der italienische Solarmarkt auf eine neu installierte Leistung von 1.478 MW anwachsen. Bereits 2010 dürfte Italien eine kumulierte Solarstromleistung von 1.200 MW erreichen, so dass nach dem Gesetz „Conto Energia II“ die Einspeisevergütung für Solarstrom erneut novelliert werden müsste. Die neuen Vergütungssätze würden dann ab Januar 2011 in Kraft treten. Obwohl es zurzeit keine offiziellen Ankündigungen über die neuen Tarife gibt, hat der italienische Solarindustrieverband der Regierung bereits einen neuen Tarifvorschlag präsentiert. In diesem sind stärkere Reduktionen für Freiflächenanlagen als für Dachanlagen vorgesehen, was die Verteilung der Neuinstallationen in Italien zu Gunsten des Dachanlagensegments ändern könnte.

Die Solarmärkte in Frankreich, Tschechien und Belgien dürften nach Überwindung der Rezession im Jahr 2010 weiter wachsen. Insgesamt erwartet die Bank Sarasin einen Zuwachs der europäischen Märkte (ohne Deutschland und Italien) um 33 Prozent auf 1.190 (2009: 896) MW im Jahr 2010. Für 2011 sollen diese europäischen Märkte zusammen weiter zulegen und eine neu installierte Leistung von 1.707 MW erreichen.

Asiatisches Wachstum entschärft weltweite Wettbewerbssituation. In Asien wird Japan der wichtigste Wachstumstreiber sein. Der japanische Solarmarkt soll laut Expertenprognose im Jahr 2010 um 50 Prozent auf 547 (2009: 365) MW wachsen, 2011 soll eine neue Leistung in Höhe von 739 MW installiert werden. China und Indien dürften sich laut Bank Sarasin zu wichtigen Absatzregionen entwickeln. Dies dürfte die Wettbewerbssituation in Europa und in den USA etwas entschärfen, da chinesische Hersteller aufgrund ihrer logistischen Nähe zu diesen Märkten wahrscheinlich verstärkt versuchen werden, ihre Produkte vornehmlich dort abzusetzen. Beide Märkte zusammen sollen sich im Jahr 2010 mehr als verdoppeln und eine neu installierte Solarleistung von 557 (2009: 245) MW erreichen. Insgesamt soll der asiatische Markt im Jahr 2010 eine neu installierte Leistung von 1.560 (2009: 896) MW erreichen. Für 2011 wird erwartet, dass das Marktvolumen auf 2.475 MW steigt.

Erwartete Entwicklung des Solarmarkts nach Regionen // in GW
Quelle: Deutsche Bank, 2010
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