Der Solarstrommarkt

Differenzierungsmerkmale werden wichtiger. Der Solarstrommarkt durchlief im Berichtsjahr einen grundsätzlichen Strukturwandel – weg vom Anbieter- und hin zum Endkundenmarkt. Zum ersten Mal überstieg das Angebot die Nachfrage anhaltend. Dadurch musste um jeden Kunden „gekämpft“ werden. Die Qualität und Eigenschaften der Produkte sowie weitere Differenzierungsmerkmale der einzelnen Hersteller stellten sich als entscheidend heraus. Die Preise für Solarstromprodukte brachen im Berichtsjahr branchenweit um etwa ein Drittel ein. Zusätzlich beeinflusst durch die Rezession gingen, wie auch bei anderen erneuerbaren Energien, die weltweiten Investitionen im Solarbereich zurück.

Nach Angaben der Bank Sarasin sank die neu installierte Leistung im solaren Weltmarkt nach einem stetigen Wachstum in den letzten fünf Jahren im Jahr 2009 erstmalig leicht um ein Prozent auf 5,8 (Vorjahr: 5,9) GW. Die kumulierte Solarstromleistung betrug im Berichtsjahr weltweit 20,5 (Vorjahr: 14,7) GW; damit könnten rund 20 Mio. Menschen mit Strom versorgt werden (Annahme: 1.000 kWh jährlicher durchschnittlicher Stromverbrauch pro Person).

Angebot übersteigt Nachfrage. Aufgrund der weiterhin erschwerten Finanzierungsbedingungen, der schrumpfenden Konjunktur und des harten Winters Anfang 2009, fiel die Nachfrage am Solarmarkt in der ersten Jahreshälfte sehr zurückhaltend aus. Viele Anbieter fuhren ihre Produktionskapazitäten herunter oder führten Kurzarbeit ein. Die anhaltend niedrige Nachfrage verursachte einen Preisrutsch entlang der gesamten Wertschöpfungskette vom Silizium, über Wafer und Zelle bis hin zum Solarsystem.

So reduzierte sich der Durchschnittspreis für Silizium – den wichtigsten Rohstoff für die Herstellung kristalliner Solarmodule – von 70 US-Dollar/kg Ende 2008 auf 55 US-Dollar/kg am Ende des Berichtsjahres. Die gewaltige Spanne zwischen den Spotmarktpreisen, die 2008 Rekordhöhen von über 400 US-Dollar/kg erreicht hatten, und den Vertragspreisen (2008: 79 US-Dollar/kg) löste sich im Berichtsjahr fast auf. Grund für diese Entwicklung war das steigende Siliziumangebot gegenüber der schwachen Nachfrage. Laut Schätzungen der Bank Sarasin sind die Siliziumkapazitäten, die der Solarbranche zur Verfügung stehen, 2009 um 40 Prozent auf 67.000 (Vorjahr: 48.000) Tonnen gestiegen.

Mit Beseitigung des Engpasses an reinem Solarsilizium brach auch der Markt für gereinigtes metallurgisches Silizium (UMG-Si) zusammen. Dieses wurde noch im vergangenen Jahr als Alternative zu dem sehr teuren und kaum verfügbaren Solarsilizium gehandelt. Viele neue Siliziumproduzenten gaben deshalb ihre Projekte in diesem Bereich im Laufe des Jahres 2009 auf. Auch alternative Solartechnologien wie Dünnschicht litten unter dem fallenden Siliziumpreis, da sich dadurch ihr bisheriger Kostenvorteil gegenüber den kristallinen Solartechnologien reduzierte. Von den 2008 etwa 140 Unternehmen, die im Dünnschichtbereich tätig waren, sind im Berichtsjahr nur rund 70 Anbieter verblieben. Zwar wuchs der Anteil der Dünnschichtprodukte am Solarmarkt auf 20 (Vorjahr: 16) Prozent, jedoch verlangsamte sich das Wachstum dieses Zweiges der Solarbranche. Diese alternativen Technologien dürften die marktbeherrschende Stellung der kristallinen Technologien (rund 80 Prozent des gesamten Solarmarkts) kurz- bis mittelfristig nicht beeinträchtigen.

Die Weltmärkte für Solarprodukte wie Wafer, Zellen und Module durchliefen im Berichtsjahr ebenfalls strukturelle Veränderungen. Die Produktionskapazitäten stiegen bei schwacher Nachfrage deutlich an, dadurch verstärkte sich das Überangebot auf dem Markt vor allem in der ersten Jahreshälfte 2009. So belief sich nach Angaben des Bankhauses Sarasin der Zuwachs allein in der Solarzellenproduktion auf 56,7 Prozent: Die Kapazitäten stiegen 2009 weltweit auf 10,5 (Vorjahr: 6,7) GW. Getrieben wurde diese Entwicklung vor allem von den stark expandierenden chinesischen Herstellern, die gegenüber europäischen Unternehmen Kostenvorteile durch niedrigere Löhne, geringere Ausgaben für Energie sowie Grund und Boden genießen. Zudem bekamen sie von staatlichen Banken besonders günstige Kredite, die das Wachstumstempo der Unternehmen beschleunigten. Um die Märkte in Europa und den USA zu durchdringen, boten vor allem chinesische Hersteller ihre Produkte zu sehr niedrigen Preisen an. Dies setzte auch die Margen anderer Unternehmen unter Druck.

Vor allem Zellhersteller, die auf der Lieferantenseite an feste Wafer-Vertragspreise gebunden waren und sich gleichzeitig auf der Abnehmerseite mit stark sinkenden Modulpreisen konfrontiert sahen, mussten besonders hohe Margenverluste hinnehmen. Viele kamen in die Verlustzone und mussten ihr Wachstumstempo deutlich drosseln, da sie nicht mehr in der Lage waren, ihren Kapitalbedarf aus dem operativen Geschäft zu decken. Kombiniert mit dem schwierigen Kreditmarktumfeld waren einige Wettbewerber gezwungen, Kurzarbeit einzuführen oder Anteile an Beteiligungsunternehmen zu verkaufen, um sich Kapital zu beschaffen. Vollintegrierte Hersteller konnten sich dagegen besser behaupten.

Durchschnittlich konnte der Wirkungsgrad kristalliner Zellen laut der European Photovoltaic Industry Association (EPIA) 2009 auf 17,0 (Vorjahr: 16,5) Prozent gesteigert werden. Nach Angaben der Bank Sarasin ist es der Industrie zudem gelungen, den durchschnittlichen Siliziumbedarf auf 8,2 (Vorjahr: 8,6) g/Wp zu senken. Wer langfristig am Solarmarkt erfolgreich sein will, muss auch zukünftig kontinuierlich die Effizienz steigern und die Kosten reduzieren, um sinkende Preise bestmöglich zu kompensieren.

Nachfrage im 2. Halbjahr stark angezogen. Durch die Veränderung der Wettbewerbssituation vom Anbieter- zum Nachfragemarkt ist der Kundennutzen als Verkaufsargument im Jahr 2009 in den Vordergrund gerückt. Europäische Anbieter, die seit Jahren ihre Präsenz im Endkundenmarkt, starke Vertriebsstrukturen und eine hohe Dienstleistungsqualität gepflegt haben, konnten sich im Vergleich zu asiatischen Wettbewerbern besser positionieren: Die Kunden waren bereit, einen Preisaufschlag von bis zu 25 Prozent gegenüber asiatischen Produkten für das höhere Vertrauen in die Garantieleistung und die Qualität zu zahlen. So sind die Preise europäischer Markenhersteller nicht so stark gesunken wie die der asiatischen Wettbewerber. Auch bei der Fremdfinanzierung von Projekten stellte sich die Markenbekanntheit als Vorteil dar, denn Banken bevorzugten bei der ohnehin schon eingeschränkten Fremdkapitalfinanzierung Projekte, die mit Solarmodulen bekannter Hersteller realisiert wurden.

Insgesamt zeigte sich die Nachfrage Anfang 2009 zurückhaltend. Allerdings kurbelten die starken Preisreduktionen im Laufe des Jahres zusammen mit der Stabilisierung der Wirtschaft die Investitionsbereitschaft der Kunden an. In der zweiten Jahreshälfte belebte sich der Solarmarkt spürbar. Dies wurde hauptsächlich durch die starke Nachfrage im deutschen Markt vorangetrieben. Ab Ende des 3. Quartals 2009 erreichte die Nachfrage ein solch hohes Niveau, dass es zu Liefer- und Montageengpässen im deutschen Markt kam.

HISTORISCHE ENTWICKLUNG UNSERER HAUPTABSATZMÄRKTE // IN MW
Quelle: Deutsche Bank, 2010; Barclays Capital, 2010; Gestore Service Energetici, 2010

Deutschland weltweit wichtigster Solarmarkt. Der deutsche Solarmarkt entwickelte sich trotz des schwierigen Umfeldes sehr gut. Grund dafür ist, dass dieser reife Markt über etablierte Distributionskanäle sowie zügige Genehmigungs- und Finanzierungsverfahren verfügt. Die neu installierte Leistung verdoppelte sich 2009 auf 3.060 (Vorjahr: 1.500) MW. Die kumulierte Solarstromleistung erreichte 8.422 (Vorjahr: 5.362) MW. Insgesamt machte Deutschland im Berichtsjahr rund 55 Prozent des weltweiten Solarmarkts aus. Wichtigster Wachstumstreiber war der Dachanlagenmarkt, der laut Angaben von EuPD Research 86 Prozent des deutschen Gesamtmarkts umfasste, während Freiflächenanlagen nur einen Anteil von 14 Prozent erreichten.

US-Markt bleibt unter Erwartungen. Der US-Solarmarkt war von der Wirtschaftskrise besonders stark betroffen. Mehrere Großprojekte mussten aufgrund von Finanzierungsschwierigkeiten verschoben werden. Zwar wuchs der Dachanlagenmarkt, getrieben von der Nachfrage in Kalifornien, er konnte aber die Rückgänge im Freiflächenmarkt nicht vollständig kompensieren. Insgesamt wuchs der US-Solarmarkt laut Einschätzungen von Barclays Capital um 468 (Vorjahr: 342) MW. Im Jahr 2009 wurden im Rahmen des Konjunkturpakets „American Recovery and Reinvestment Act of 2009“ zusätzliche Fördermöglichkeiten für Solaranlagen genehmigt. Diese wurden aber erst mit Wirkung zum 3. Quartal 2009 umgesetzt. Der erhoffte Nachfrageschub blieb deshalb im Jahr 2009 aus. Kalifornien war wie in den Vorjahren die wichtigste Absatzregion der USA. Im Rahmen der „California Solar Initiative“ konnte ein leichtes Wachstum der neu installierten Leistung um zwölf Prozent auf 135 (Vorjahr: 121) MW erzielt werden.

Europäische Solarmärkte legen zu. Trotz der verschärften Finanzierungshürden im Jahr 2009 konnte Italien den dritten Rang unter den Solarmärkten erklimmen, wobei Solarprojekte dort stärker als z.B. in Deutschland unter den eingeschränkten Finanzierungsmöglichkeiten litten. 2009 betrug die neu installierte Solarstromleistung laut Angabe der Strombehörde Gestore Service Energetici 374 (Vorjahr: 338) MW.

Weitere europäische Märkte wie Frankreich, Belgien und Tschechien zeigten im Berichtsjahr ebenfalls eine positive Entwicklung. Grund dafür waren die stetige Verbesserung der Vertriebswege sowie die Beschleunigung der Genehmigungsprozesse. Dies trug dazu bei, dass Europa 2009 mit einen Anteil von 65 (Vorjahr: 79) Prozent am weltweiten Solarmarkt weiterhin die wichtigste Solarmarktregion darstellte.

Neue Förderprogramme iN Asiatischen LÄNDERN. In Asien konnte Japan durch neue Förderprogramme nach einer Stagnation im Jahr 2008 wieder ein Wachstum um 62 Prozent auf 365 (Vorjahr: 225) MW vorweisen. Das Land behielt damit seine Spitzenposition im asiatischen Solarmarkt. Andere Länder wie China, Australien und Indien verabschiedeten neue Förderprogramme für Solarstrom, die aber noch nicht vollkommen ausgereift sind. In Südkorea reduzierte sich der Markt 2009 um mehr als die Hälfte wegen der Einführung eines Marktdeckels in Höhe von 100 MW im Vergleich zum Vorjahr (276 MW).

Für wichtige solare Kernmärkte wurden im Berichtsjahr Änderungen der Solarförderbedingungen angekündigt. Diese dürften aber erst ab 2010 bzw. 2011 greifen. Der zukünftige Solarstrommarkt Nachtragsbericht

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